Kindergarten und Schule Rappelkiste
Begleiten statt belehren
Wo? Potsdam-Waldstadt, Deutschland
Wer? Rappelkiste Potsdam e.V., Vorstand: Karsta Enderling, Ismene König
Was? Das soll ein Klassenzimmer sein? In der Aktiven Schule Potsdam sieht das etwas anders aus als gewohnt: An einem Tisch in der Ecke schreibt ein Junge mit einer Gänsefeder große Buchstaben auf ein Blatt Papier, auf dem Boden befühlt ein Kind Buchstaben aus Sandpapier. Und im offenen Regal steht ein Brett mit einer schwarzen Pyramide und einer roten Kugel. Und wo ist die Lehrerin? Ach, da an der Wand sitzt sie und beobachtet aufmerksam die Arbeit der Kinder. Ja, tatsächlich: Hier wird Lesen und Schreiben gelernt! Denn dafür braucht es weder Fibel noch Tafel – und nur ab und zu einen Erwachsenen. Mit den Sandpapierbuchstaben lernen die Kinder Sprache begreifen; verschiedene Schreibgeräte schulen die Hand und Pyramide und Kugel sind Symbole für Nomen und Verben – so lernen die Kinder die Wortarten zu unterscheiden.
Das vielseitige Material in den offenen Regalen ist zentrales Element der Arbeit in der Aktiven Schule: Eine vorbereitete Umgebung, die zu selbstständigem Lernen anregt. Die Räume sind in
verschiedene Bereiche aufgeteilt, wo die Kinder spielen, beobachten, experimentieren und sich bewegen können. Hier lernen sie entsprechend ihrem Entwicklungsbedürfnis und in ihrem eigenen
Tempo, denn die Zeiteinteilung ist frei. So können die Kinder die Welt ausprobieren, suchen, umdenken, Zusammenhänge verstehen und verinnerlichen, die Dinge im Handeln begreifen. Sie werden nicht
belehrt, sondern begleitet. Für die Begleitung der Kinder braucht es sehr aufmerksame Erwachsene, die am Werdegang des Kindes interessiert sind. Sie wirken auf die Kinder dadurch, wie sie
mit ihnen sprechen und was sie ihnen sagen, vielmehr jedoch durch das, was und wie sie sind. Seit 2004 gibt es die Aktive Schule Potsdam, zurzeit lernen hier 36 Kinder in den Klassenstufen 1 bis
6. Hervorgegangen ist die Schule aus dem Kindergarten Rappelkiste, der seit 1995 besteht. Dort werden zurzeit rund 30 Kinder begleitet.
In der Rappelkiste wird eine andere Art des Umgangs mit Kindern lebendig: Im Vordergrund steht der „individuelle Entwicklungsplan“ eines jeden Kindes, dem die Erwachsenen Raum und Zeit geben und dem sie vertrauen. Voraussetzung dafür ist die Zuversicht und das Wissen des Erwachsenen, dass jedes Kind sich in einer Entwicklung befindet, in deren Verlauf es das, was es für sich braucht, selbständig aus seiner Umwelt aufnimmt. Lernen geschieht ganz natürlich, wir brauchen kein Kind dazu zu zwingen, wenn es in einer liebevoll gestalteten und anregenden Umgebung ist, in der es sich sicher, geborgen und verstanden fühlt. Dafür trägt der Erwachsene die Verantwortung. Dabei ist wichtig, dass er sich in Zurückhaltung und Geduld übt, um nicht willkürlich in den Entwicklungsverlauf des Kindes einzugreifen. Genaues Beobachten ist hierbei eine der wichtigsten Aufgaben.
2007 sind Kindergarten und Schule in ein großes Gebäude in der Potsdamer Waldstadt gezogen. Dort ist drinnen und draußen viel Platz – aber auch noch immer viel zu tun bei der Sanierung und Gestaltung des Gebäudes.
Finanzierung: Schule und Kindergarten sind von der Stadt anerkannt und erhalten daher öffentliche Zuschüsse. Sie decken die Grundfinanzierung ab. Aber in der Rappelkiste
kommen weniger Kinder auf einen Erwachsenen als in öffentlichen Einrichtungen, das Material ist vielfältiger und Renovierung und Ausbau des Gebäudes kosten. Deshalb braucht die Rappelkiste
zusätzliche Spenden. Susila Dharma hat zuletzt die Finanzierung der Supervision übernommen, mit der das Team in seiner anspruchsvollen Arbeit begleitet wird. Denn in einem solchen Projekt
hängt sehr viel davon ab, dass das Team gut funktioniert.
Website: http://www.rappelkiste-potsdam.de/
Projektbetreuerin:
Imke Wolf-Doettinchem
Spendenkonto:
Susila Dharma - Soziale Dienste e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
Stichwort "Rappelkiste"
Kto. 7464000
BLZ 251 205 10